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Schwangerschaft

Schwangerschaftsdiabetes

Man schätzt, dass ca. jede tausendste Schwangere bereits vor Eintritt der Schwangerschaft zuckerkrank ist, also an Diabetes mellitus leidet. Zusätzlich entwickeln etwa 5 % der Schwangeren im Verlauf der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Eine diabetische Schwangerschaft gilt immer als Risikoschwangerschaft und bedarf intensiver gynäkologischer Kontrollen.


Wie diagnostiziert man einen Gestationsdiabetes?

Urinuntersuchungen auf eine Zuckerkrankheit sind Bestandteil einer jeden Routineuntersuchung bei Schwangeren. Diese sind jedoch nicht hundertprozentig zuverlässig, so dass bei Vorliegen von Risikofaktoren (Übergewicht, Diabetes in der Familie) ein Trinkglukose-Suchtest durchgeführt werden sollte.
Dabei wird der Blutzuckerspiegel vor und nach Trinken einer 50 g Traubenzucker (Glukose) enthaltenden Lösung gemessen. Steigt der Blutzuckerspiegel dabei über das normale Maß hinaus an, so wird der Test nüchtern mit 75 g Glukose wiederholt und der Wert vor dem Trinken sowie eine und zwei Stunden danach gemessen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Gestationsdiabetes, so müssen die Routinekontrollen intensiviert werden.


Wie betreut der Arzt eine diabetische Schwangerschaft?

Bei Frauen, die bereits an einem Diabetes mellitus leiden, sollte bereits vor der Schwangerschaft eine bestmögliche Einstellung des Blutzuckers angestrebt werden. Dadurch werden Risiken für Mutter und Kind während der Schwangerschaft deutlich minimiert.
Die Blutzuckereinstellung erfolgt dabei einerseits durch diätetische Maßnahmen, andererseits durch eine intensive Insulintherapie. Insulin muss als Eiweißhormon gespritzt werden, da es bei oraler Aufnahme im Magen inaktiviert würde. Zwar existieren Diabetesmedikamente, die auch in Tablettenform gegeben werden können (orale Antidiabetika), deren Anwendung verbietet sich jedoch während der Schwangerschaft, da sie fruchtschädigend wirken können.
Für den eigentlichen Gestationsdiabetes gelten im Wesentlichen die gleichen therapeutischen Richtlinien. Die Blutzuckereinstellung muss aus zwei Gründen während der Schwangerschaft sehr streng geführt werden. Erstens ist der schwangere Organismus größeren Schwankungen des Blutzuckers unterworfen. Zweitens ist der Mutterkuchen (Plazenta), über den der Embryo versorgt wird, für die mütterliche Glukose nahezu uneingeschränkt durchgängig, für das Blutzucker-regulierende Hormon jedoch überhaupt nicht. Dies führt dazu, dass der kindliche Organismus der von der Mutter zugeführten Glukose lediglich seine - zumindest zu Beginn der Schwangerschaft - sehr begrenzte Insulinproduktion entgegen setzen kann.

Welche Risiken ergeben sich für Mutter und Kind durch einen Diabetes?

  • Risiken für die Mutter

    Durch die Schwangerschaft kann sich die diabetische Stoffwechsellage verschlechtern, was bei schlechter Betreuung bis hin zu einem diabetischen Koma führen kann. Zudem sind schwangere Diabetikerinnen in erhöhtem Maße anfällig für Harnwegsinfekte, da der mit dem Urin ausgeschiedene Zucker ein gutes Nährmedium für bakterielle Erreger darstellt. Die Mütter haben weiterhin ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie, eine gefährliches schwangerschaftsbedingte Erkrankung, die zu Bluthochdruck, Ödemen, Leberfunktionsstörungen und Krampfanfällen führen kann. Letztlich besteht bei schwangeren Diabetikerinnen insgesamt eine erhöhte Müttersterblichkeit.

  • Risiken für das Kind

    Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann für das werdende Kind schädlich sein. Vor allem zu Beginn der Schwangerschaft führen hohe Glukosespiegel zu Organschädigungen wie Herzfehlern oder gar zur Fehlgeburt. Störungen der Lungenreifung und allgemeine Zurückgebliebenheit der geistigen Entwicklung treten gehäuft auf. Im Verlauf einer diabetischen Schwangerschaft werden Kinder oft größer als bei nicht-diabetischen Schwangeren. Dies kann einerseits zu einer relativen Unterversorgung des Kindes führen, da die Plazenta nicht in entsprechendem Maße mitwächst (relative Plazenta-Insuffizienz). Außerdem kann eine Geburt auf natürlichem Wege erschwert oder unmöglich werden. Die Größe des Kindes sowie die Organentwicklung sollte daher in monatlichen Abständen kontrolliert werden, um eventuell die Diabetestherapie zu intensivieren oder geburtstechnische Maßnahmen (Kaiserschnitt) planen zu können. Unmittelbar nach der Geburt entwickeln die Kinder nicht selten einen Unterzucker, da die Glukosebelastung aus dem mütterlichen Blut wegfällt, das kindliche Blutzucker-senkende Insulin jedoch noch im Körper zirkuliert.


Bleiben Mütter mit Gestationsdiabetes nach der Geburt Diabetikerinnen?

In vielen Fällen entwickelt sich ein während der Schwangerschaft entstandener Diabetes nach der Geburt rasch wieder zurück. Die Mütter haben jedoch ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an einem manifesten Diabetes zu erkranken. Auch das Risiko, bei einer erneuten Schwangerschaft wieder einen Gestationsdiabetes zu entwickeln, ist erhöht. Vorbeugende Maßnahmen sind in beiden Fällen die Vermeidung von Übergewicht durch eine angemessene Ernährung und eine ausreichende körperliche Betätigung.


Diese Informationen stellen keinen Ersatz für die professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte dar. Der Inhalt von apotheke-westerhausen.de kann und darf nicht dazu dienen, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Medikamente sollten niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
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