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Schwangerschaft

Blutungen

Blutungen aus der Scheide sind während der Schwangerschaft immer ein ernst zunehmendes Symptom.
Man unterscheidet dabei aufgrund der unterschiedlichen Ursachen Blutungen in der Frühschwangerschaft (bis zum 3. Monat) von Blutungen in der Spätschwangerschaft (7. bis 9. Monat). In der Mitte der Schwangerschaft sind Blutungen seltener.
Blutungen können dabei von Schmerzen begleitet werden, aber auch schmerzlos ablaufen, wobei Schmerzen kein geeignetes Unterscheidungskriterium hinsichtlich Ursache oder Ernsthaftigkeit der zugrunde liegenden Störung darstellen.
Blutungen in der Schwangerschaft können letztlich aber auch auf von der Schwangerschaft völlig unabhängige Erkrankungen zurückzuführen sein. Dazu gehören in erster Linie gute und bösartige Tumoren der Gebärmutter, des Gebärmutterhalses und der Scheide. Auch Infektionen können in seltenen Fällen zu Blutungen führen.


Frühschwangerschaft

In der Frühschwangerschaft sind Blutungen meist Zeichen einer Fehlgeburt. Fehlgeburten in den ersten Wochen der Schwangerschaft sind weitaus häufiger als in der Bevölkerung angenommen wird. Jede fünfte ärztlich bestätigte Schwangerschaft endet mit einer spontanen Fehlgeburt. Da sich viele Fehlgeburten schon zu einem frühen Schwangerschaftszeitpunkt ereignen und oft unbemerkt ablaufen, schätzt man, dass sogar jede 2. bis 3. Schwangerschaft vorzeitig abbricht. Frühe Fehlgeburten sind meist Folge einer angeborenen Schädigung des embryonalen Erbguts (Chromosomenaberrationen) oder von Entwicklungsstörungen des Mutterkuchens (Plazenta).
Auch Schwangerschaften, die sich außerhalb der Gebärmutter, z. Bsp. im Eileiter, einnisten (extrauterine Gravidität) können zu Blutungen aus der Scheide führen. Dabei kommen häufig stärkste Schmerzen hinzu. Extrauterine Graviditäten führen meist 6 bis 10 Wochen nach der Befruchtung zu Problemen, da dann der Embryo so weit gewachsen ist, dass er an die anatomischen Grenzen stößt. Die Zerreißung eines Eileiters stellt eine medizinische Notfallsituation dar und bedarf einer sofortigen operativen Therapie.


Spätschwangerschaft

Blutungen in der Spätschwangerschaft stellen Notfallsituationen dar, die sowohl für das werdende Kind als auch die Mutter gefährlich werden können.
Bei den Blutungen in der Spätschwangerschaft kommen im Wesentlichen drei Ursachen in Betracht. Die harmloseste Variante sind so genannte Zeichnungsblutungen. Diese meist leichten Blutungen kommen gelegentlich bei Öffnung des Muttermundes vor und sind Zeichen des bevorstehenden oder bereits beginnenden Geburtsvorgangs. In diesen Fällen sollte der Geburtsvorgang überwacht und die Geburt unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden.
Weitaus gefährlicher sind Blutungen, die sich bei einer vorzeitigen Lösung der Plazenta (Ablatio placentae) von der Gebärmutter oder aus Lageanomalien der Plazenta (Placenta praevia) entwickeln. Bei der Ablatio placentae löst sich die Plazenta von der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung des Feten akut, was zu Schädigungen bis hin zum Absterben des Fetus führen kann. Im Zwischenraum zwischen der Plazenta und der gut durchbluteten Gebärmutter kann sich zudem eine große Menge Blut sammeln. Der über die Scheide abgehende Blutverlust kann daher weit unter dem tatsächlichen liegen und sollte nicht zu falscher Verharmlosung der Blutung Anlass geben. Die Blutung kann in der Tat so stark sein, dass sich ein lebensbedrohlicher Volumenmangelschock entwickelt. Bei einer Ablatio ist das Blut meist dunkel gefärbt und mit Koageln (Gerinnungsklümpchen) durchsetzt. Die Gebärmutter ist häufig tastbar verhärtet und eventuell schmerzhaft.
Liegt die Plazenta im unteren Teil der Gebärmutter, so spricht man von einer Plazenta praevia. Die Plazenta kann dabei den Muttermund ganz oder teilweise verlegen. "Prae via" ist der lateinische Begriff für "vor dem Weg", d. h. der reguläre Geburtsweg ist durch die Plazenta blockiert. Die Plazentalage wird im Rahmen der routinemäßigen Ultraschallvorsorgeuntersuchung festgestellt und im Mutterpass dokumentiert, so dass die Schwangere meist bereits über die Risiken aufgeklärt ist. Besonders beim Herabtreten des führenden kindlichen Körperteils (meist der Kopf) kann es bei einer Plazenta praevia zu mitunter starken Blutungen kommen. Im Gegensatz zur Ablatio ist die Blutung in der Regel frisch (hellrot) und führt nicht zu einer Verhärtung de Gebärmutter.


Wie verhalte ich mich bei Blutungen in der Schwangerschaft?

Blutungen in der Schwangerschaft müssen immer sofort abgeklärt werden. Schwangere sollten sich beim Auftreten von Blutungen flach in Linksseitenlage hinlegen. Optimal ist eine Kopftieflagerung, beispielsweise auf einem verstellbaren Bett, um einem Volumenmangelschock vorzubeugen. Ein Transport in eine gynäkologische Klinik ist umgehend zu veranlassen. Vor Ort sollten vaginale Manipulationen (Untersuchungen) aufgrund einer möglichen Verschlechterung der Situation unbedingt unterbleiben.


Was wird in der Klinik getan?

Je nach Blutungszeitpunkt, -intensität und körperlicher Auswirkung der Blutung auf mütterlichen und kindlichen Organismus wird versucht, die Schwangerschaft möglichst zu erhalten. Es muss zunächst die Ursache der Blutung festgestellt werden. Dazu dienen manuelle Untersuchungsmethoden, Beurteilung des Muttermundes mittels Spekulumeinstellung sowie Ultraschalluntersuchungen.
Wenn die Blutung gegen Ende der Schwangerschaft das Leben von Mutter und/oder Kind bedroht, wird die Geburt eingeleitet, Vorzugsweise auf natürlichem Weg. Falls dies nicht möglich ist, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Drohende Fehlgeburten können nur in wenigen Fällen wieder abgewendet werden. Dazu müssen die Schwangeren strengste Bettruhe einhalten. Zusätzlich werden Medikamente verabreicht, die die Wehentätigkeit unterdrücken (z. Bsp. Magnesium).


Diese Informationen stellen keinen Ersatz für die professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte dar. Der Inhalt von apotheke-westerhausen.de kann und darf nicht dazu dienen, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Medikamente sollten niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
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