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Herz- & Blutgefäße

Bluthochdruck

Der Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine wahre Volksseuche. Man schätzt, dass in Industrienationen wie Deutschland ca. 15 - 30 Prozent der Bevölkerung an einem erhöhten Blutdruck leiden.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Richtwerte für einen als normal geltenden Blutdruck weiter herabgesetzt. Derzeit liegt der Grenzwert für einen normalen Blutdruck unter Ruhebedingungen, das heißt nach zehnminütigem Liegen bei 135/85 mm Hg. Der erste Wert wird dabei als systolischer (bei Herzkontraktion), der zweite als diastolischer (bei Herzerschlaffung) Blutdruck bezeichnet.
Das heimtückische an der Erkrankung ist, dass sie außer bei sehr hohen Werten jenseits der 200 (systolisch) jahrzehntelang keinerlei Symptome verursacht und vom Patienten nicht bemerkt wird. Trotzdem kann ein chronisch zu hoher Blutdruck zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Dabei sind vor allem Nierenfunktionsstörungen, Herzinfarkte und Herzmuskelschwäche sowie Schlaganfälle von großer Bedeutung.


Wie kommt es zum Bluthochdruck?

In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um einen so genannten primären Bluthochdruck (primäre Hypertonie). Dies besagt lediglich, dass eine auslösende Ursache nicht gefunden werden kann.
Für die Entstehung der primären Hypertonie existieren eine Reihe recht unterschiedlicher Theorien, die verschiedene Faktoren als ursächlich ansehen. Wahrscheinlich ist, dass alle diese Faktoren zusammenspielen und als Ganzes für die Entstehung der Hypertonie verantwortlich sind. Diskutiert werden unter anderem eine erbliche Komponente, ein erhöhter Salzkonsum oder eine Salzverwertungsstörung, aber auch hormonelle Faktoren und Veränderungen im Bereich des Nervensystems. Möglicherweise spielen auch Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle.
In den restlichen 10 Prozent der Fälle liegt dem Hochdruck eine erkennbare und - was für den Patienten viel wichtiger ist - auch gezielt therapierbare Ursache zugrunde (sekundäre Hypertonie). Diese Fälle herauszufiltern, stellt für Ärzte und Gesundheitswesen eine große Herausforderung dar.
Die Hypertonie ist eine Volkskrankheit,die schwere Folgeschäden verursacht. Die Blutdrucktherapie bedient sich einer Vielzahl von Medikamenten, die teilweise kombiniert werden. Medikamente, die teilweise lebenslang eingenommen werden müssen, belasten den Patienten und andererseits entstehen durch die Dauertherapie einer so großen Zahl von Patienten für das Gesundheitswesen enorme Kosten.
10 Prozent dieser Menschen haben eine therapierbare Ursache, die die lebenslange Einnahme von Medikamenten unnötig machen könnte. Die hierfür notwendigen Untersuchungen sind jedoch teilweise äußerst kostenintensiv und einige von ihnen mit Risiken verbunden, weswegen nicht alle Hypertoniker untersucht werden können. Der Arzt steht also oft vor der schwierigen Entscheidung, bei welchem Patienten diese Untersuchungen durchgeführt werden sollen.


Welche Krankheiten können eine sekundäre Hypertonie verursachen?

Prinzipiell unterscheidet man drei mögliche Ursachen für eine sekundäre Hypertonie:

  • Renovaskuläre Störungen

    Darunter versteht man Störungen der Nierendurchblutung. Wird eine Niere vermindert durchblutet, so reagiert sie darauf durch Aktivierung bestimmter Hormone, was jedoch auch den Blutdruck erhöht. Meist steckt dahinter eine Arteriosklerose der Nierenarterie. Vor allem bei jungen Frauen kann die Durchblutungsstörung aber auch Folge einer Erkrankung der Arterienwand sein. Diagnostiziert werden beide Störungen anhand einer Röntgendarstellung der Gefäße (Angiografie) oder neuerdings auch mit einer Magnet-Resonanz-Angiografie. Man kann die Schäden meist mittels Kathetertechnik beheben, nur selten werden gefäßchirurgische Eingriffe nötig.
  • Renoparenchymatöse Störungen

    Hiermit sind schwere Schäden der Niere unterschiedlichsten Ursprungs gemeint. Es können Entzündungen, chronische Infektionen oder auch angeborene Fehlbildungen zugrunde liegen. Meist reicht eine Ultraschall-Untersuchung, um zumindest erste Hinweise zu erhalten. Die Therapie kannn jedoch ungleich schwieriger sein. Manchmal hilft es, eine zerstörte Niere operativ zu entfernen, um den Blutdruck zu normalisieren.
  • Endokrinologische Störungen

    Eine Reihe seltener Erkrankungen des Hormonsystems - meist handelt es sich um gutartige Tumore des Nebennierenmarks oder der Nebennierenrinde - können zu Bluthochdruck führen. Diagnostiziert werden sie in der Regel anhand von Blut und Urinuntersuchungen. Die Tumoren können mit bildgebenden Verfahren (in der Regel Magnetresonanztomografie) dargestellt werden. Eine operative Entfernung des Tumors ist in vielen Fällen möglich.

Welche Menschen werden auf eine sekundäre Hypertonie hin untersucht?

Wichtige Hinweise, die den Verdacht des Arztes in Richtung sekundäre Hypertonie lenken, sind eventuelle Nierenerkrankungen in der Vorgeschichte. Extreme Blutdruckspitzen, die vom Patienten als starke Kopfschmerzen, Druck auf den Augen und Übelkeit wahrgenommen werden, können bei einer Langzeit-Blutdruckkontrolle festgestellt werden. Zudem werden bestimmte Konstellationen der Blutsalzwerte auf hormonelle Störungen hin untersucht.


Es wurde keine Ursache gefunden - muss ich jetzt Medikamente nehmen?

Zunächst sollte der Blutdruck zu verschiedenen Tageszeiten an unterschiedlichen Tagen gemessen werden, um die Diagnose zu sichern. Zusätzlich sollte der Arzt überprüfen, ob der Patient Medikamente einnimmt, die selbst für den Bluthochdruck verantwortlich sein können. Ist dies nicht der Fall, kann versucht werden, durch eine kochsalzarme Diät den Blutdruck zu senken. Bleibt dies erfolglos, sollte angesichts der Schwere der Folgekrankheiten nicht auf die Möglichkeit der medikamentösen Blutdrucksenkung verzichtet werden. Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die an unterschiedlichsten Regulationsmechanismen des Körpers eingreifen. Je nach eventueller Begleiterkrankung, Alter und Risikoprofil kann der Arzt ein bestimmtes Medikament oder eine Kombination auswählen. Aufgrund der Vielzahl von Präparaten kann bei unerwünschten Nebenwirkungen leicht auf ein anderes Medikament umgestiegen und so die für den Patienten eine optimale Behandlung erzielt werden.


Diese Informationen stellen keinen Ersatz für die professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte dar. Der Inhalt von apotheke-westerhausen.de kann und darf nicht dazu dienen, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Medikamente sollten niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
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